Mirjam Spring gründete das Angebot für mittellose Menschen vor 21 Jahren. Sie sagt: »Tiere öffnen Türen zu ganz schwierigen Menschen.»
Inspiration aus Berlin
Sie sei mit dem Sozialwerk Pfarrer Sieber gross geworden, sagt die gelernte Tierarzthelferin im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Schon ihre Mutter arbeitete dort. «Bereits zu Platzspitz-Letten-Zeiten war immer klar: Wenn es ein Problem mit einem Tier gab, war mein Rat gefragt», erinnert sich Spring.
1999 reiste sie nach Berlin, um Gassenarbeitenden über die Schulter zu blicken. Dabei traf sie auf zwei Medizin-Studenten, welche die Tiere von Obdachlosen impften - für eine Studie zur Verbreitung von Parvovirose, einer hochansteckenden Infektionskrankheit bei Hunden.
Sprechstunde im umgebauten Bus
Seit zwei Jahren findet das mobile Gassentierarzt-Angebot an zwei Nachmittagen pro Woche in einem umgebauten Büssli statt: montags an der Gerechtigkeitsgasse, donnerstags am Sihlquai.
Pro Woche behandeln Spring und die Tierärztin Igna Wojtyna 30 bis 35 Tiere. Unterstützung erhalten sie von freiwilligen Helfern. Mindestens 80 Prozent der Patienten sind Hunde. Die beiden Frauen impfen, verabreichen Medikamente, chippen die Tiere, entnehmen Blutproben und kastrieren sie. Operiert wird in der Praxis von Igna Wojtyna in Regensdorf.
Katzen aus der Ukraine
Seit dem Ukrainekrieg kämen vermehrt auch Menschen mit ihren Katzen vorbei, sagt Spring. Ukrainische Flüchtlinge wollten ihre Haustiere nicht im Kriegsgebiet zurücklassen. Aber auch Menschen aus dem Sexmilieu suchen den Gassentierarzt auf - mit ihren Vögeln, Katzen oder Meerschweinchen. «Mit ihren Seelentröstern», wie Spring sagt.