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Zollikon
01.01.2026
01.01.2026 17:59 Uhr

Opern-Spektakel an Silvester

Überzeugend: Christoph Waltle als Enrico, Anna Gitschthaler als seine heimliche Gattin Gilda und Yves Brühwiler als Hauslehrer Gregorio. Bild: Denis Yulov
Am frühen Silvesterabend fand in Zollikon die Premiere von Donizetti’s Oper «Don Gregorio» statt. Der Gemeindesaal bebte am Schluss vor Begeisterung und stürmischem Applaus.

Über 300 begeisterte Zuschauer füllten den Gemeindesaal zur Premiere. Unter ihnen befand sich auch die 82-jährige Bühnen-Koryphäe Franz Hohler. Warum besuchte er diese Vorstellung? «Ich bin seit Jahren ein Freund der Zürcher Kammeroper. Mir gefällt besonders die Wahl von ausgefallenen und seltenen Kompositionen und die hohe Qualität der Produktionen.»

Enormes Spektrum

Dass Musik von Gaetano Donizetti nicht nur spritzig und lieblich sein kann, zeigte diese wundervolle Produktion. Die italienischen Texte bei den Arien waren oft derart schnell, dass sie wie Koloraturen wirkten. Beim Zuhören war man oft verblüfft, wie lange und schwierig diese Stücke waren.

Eine lange Vorbereitungszeit und harte Arbeit waren für alle notwendig. Angefangen beim Regisseur Paul Suter, langjähriger Regisseur und Produzent bei verschiedenen Musiktheatern und am Opernhaus Zürich, der das Stück zusammenstellte, deutsche Texte einfügte und schliesslich ein spektakuläres Stück zusammenfügte, über die Lichteffekte durch Markus Brunn bis zu den Kostümen durch Monika Schmoll. Die Produktionsleitung liegt in den Händen von Matthias Lorenz-Binondo.

Erich Bieri als strenger Vater, aber zuletzt liebender Grossvater mit dem Baby, der heimlichen Schwiegertochter Gilda (Anna Gitschthaler) und Sohn Enrico (Christoph Waltle). Vorne die unterdrückte Gattin Denise Johansen (links) und Köchin Judith Lüpold. Bild: Denis Yulov

Kleines Orchester – grossartiger Klang

Zehn Personen im Orchester wurden von Musikgenie Caspar Dechmann hervorragend arrangiert und dirigiert. Mit grosser Inbrunst zaubert er seit vielen Jahren an verschiedenen Orten mit der Musik aller Komponisten.

Sensationelle Stimmen

Alle professionellen Solisten überzeugten mit ihren sensationellen Stimmen, dem Beherrschen der schwierigen Arien und auch durch schauspielerisches Auftreten. Am meisten Applaus gab es am Schluss für die österreichische Sopranistin Anna Gitschthaler in der Rolle der Gilda, die mit Koloraturen und ihrer stimmlichen Höhe brillierte. Aber auch bei allen anderen gab es Bravo-Rufe.

Der Zürcher Bassbariton Yves Brühwiler als Hauslehrer Don Gregorio, Erich Bieri als dominanter Vater Don Giulio sowie der Bündner Christoph Waltle und der Walliser Valérian Bitschnau als Söhne Enrico und Pippetto hatten einen starken Auftritt. Auch Judith Lüpold als Leonarda, die Geliebte von Pippetto und der Basler Niklaus Rüegg als Eriprando, der gescheiterte Schwager von Don Giulio, überzeugten allesamt. Der Herrenchor und einige Schauspielerinnen lieferten schauspielerisch und sängerisch eine ebenso beeindruckende Talentprobe ab.

Das Happy End nach Versöhnung mit Vater Don Giulio und der ganzen Familie mit dem heimlichen Baby von Sohn Enrico und seiner Gattin Gilda. Bild: Denis Yulov

Herzzerreissende Handlung

Zur Handlung: Der dominante Vater Don Giulio wollte seinen Söhnen das weibliche Geschlecht verbieten, bevor sie 40 waren. Doch plötzlich erschien Enricos heimliche Frau mit einem Baby, die sich zuerst im Zimmer des Hauslehrers versteckte, wodurch er in Verdacht geriet, bis die Geschichte aufflog und Sohn Enrico «entlarvt» wurde. Zuerst ärgerte sich Vater Don Giulio, doch am Schluss rührte die Handlung fast zu Tränen, als er sich als Grossvater dennoch über seinen Enkel freute und so ein Happy End für alle eintrat.

Sieben weitere Vorstellungen

Nach der Premiere finden im Gemeindesaal Zollikon vom 4. bis 18. Januar noch sieben weitere Vorstellungen statt. Diese beginnen am Freitag um 19 Uhr, Samstag und 18 Uhr und am Sonntag um 15 Uhr. Alle Informationen gibt es auf www.zuercher-kammeroper.ch.

Hans-Peter Rathgeb